Veranstaltungen im 2. Halbjahr 2010
Mittwoch, 29. September 2010, 19.30 Uhr
Mit der Reichsbahn in den Tod oder: Wie die Opfer in die Vernichtungslager gelangten
Vortrag von Privatdozent Dr. L. Joseph Heid, Duisburg, mit anschließender Diskussion
An den monströsen Verbrechen des Holocaust waren viele Tausend beteiligt und es war ein arbeitsteiliges Mordprojekt. An vorderster Front dieses Großverbrechens stand die Deutsche Reichsbahn, und diese hatte einen Namen – Albert Ganzenmüller, Staatssekretär im Reichsverkehrsministerium von 1942 bis 1945. In seiner Zeit deportierte das deutsche Eisenbahnsystem Millionen Juden in die Vernichtungslager. Ein anderer Verantwortlicher war Paul Salitter, der im Dezember 1941 1.007 Juden aus dem rheinisch-westfälischen Gebiet in den Tod transportierte. Der Vortrag setzt sich mit den Umständen, der Durchführung und den Folgen der Deportationen in den Jahren 1938 bis 1945 auseinander und nimmt Opfer wie Täter in den Blick.
Mittwoch, 27. Oktober 2010, 19.30 Uhr
Verbotene Liebe
Ausgrenzung und Verfolgung sogenannter „Rassenschänder“ im „Dritten Reich“ am Beispiel von Gelsenkirchen
Vortrag von Friedemann Rincke, Weimar, mit anschließender Diskussion
Das antisemitische Zerrbild des jüdischen „Schänders“ und ein Frauenbild, welches Frauen auf die Rolle der fügsamen Mutter ohne Recht auf ein selbstbestimmtes Sexualleben reduzierte, trugen wesentlich zur Etablierung einer besonderen Verfolgungspraxis von jüdischen Männern und nichtjüdischen Frauen bei. Solche Paare wurden, häufig nach einer Denunziation, mit einem Prangermarsch durch ihre Heimatstadt öffentlich gedemütigt und rituell aus der „Volksgemeinschaft“ ausgeschlossen. Der Vortrag greift die auch fotografisch dokumentierte Geschichte einer solchen Anprangerung in Gelsenkirchen vom August 1935 exemplarisch auf und beleuchtet Mechanismen der Gewalt und Ausgrenzung in den ersten Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft.
Mittwoch, 24. November 2010, 19.30 Uhr
Erbbiologische Selektion und Euthanasie
Vortrag von Frank Sparing, Düsseldorf, mit anschließender Diskussion
Der Vortrag geht am Beispiel psychiatrischer Kliniken in Düsseldorf der Frage nach, inwieweit die bereits vor der nationalsozialistischen Machtübernahme eingeleitete Verminderung der Pflegeaufwendungen für psychisch Kranke und der daran anknüpfende gesundheitspolitische Paradigmenwechsel der Nationalsozialisten die Voraussetzungen für die schließlich zum Krankenmord radikalisierenden Maßnahmen bildete. Mit Hilfe von „erbbiologischer Bestandsaufnahme“ und Zwangssterilisationen wurden Kranke und Pflegebedürftige bereits nach rassenhygienischen Gesichtspunkten in förderungswürdige und –unwürdige selektiert und durch den Krieg dann eine Situation herbeigeführt, die letzte Hemmnisse hinsichtlich der Tötung psychisch Kranker im Rahmen von „Kindereuthanasie“, der „Euthanasie-Aktion T-4“ und der sogenannten „Aktion Brandt“ beseitigte.

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