Veranstaltungen im 1. Halbjahr 2012
Freitag, 27. Januar 2012, 15.30 Uhr
Gedenkveranstaltung
Ort: Kurt-Neuwald-Saal der Neuen Synagoge, Georgstraße 2, 45879 Gelsenkirchen
Vor 70 Jahren, am 27. Januar 1942 begannen die Deportationen jüdischer Frauen, Männer und Kinder aus Gelsenkirchen. Mehr als 350 Gelsenkirchener Juden wurden mit dem ersten Sammeltransport in das Ghetto Riga deportiert. Das Gelsenkirchener Gedenken fällt auch mit dem Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau zusammen, der seit 1996 offiziell in der Bundesrepublik Deutschland den Opfern des Holocaust gewidmet ist. Erst im Oktober 2005 erklärten die Vereinten Nationen den 27. Januar zum internationalen Holocaust-Gedenktag. Mit einer Gedenkveranstaltung soll an die erste Deportation aus Gelsenkirchen und an die Millionen Opfer des nationalsozialistischen Regimes erinnert werden. Die Jüdische Gemeinde Gelsenkirchen und das Institut für Stadtgeschichte der Stadt Gelsenkirchen laden herzlich ein.
Mittwoch, 29. Februar 2012, 19 Uhr
Karl Delbeck – Ein Widerstandskämpfer aus Gelsenkirchen
Vortrag von Heidi Delbeck, München, mit anschließender Diskussion
Ort: Dokumentationsstätte "Gelsenkirchen im Nationalsozialismus", Cranger Straße 323
Heidi Delbeck berichtet über das Schicksal ihres Vaters Karl Delbeck, ein Widerstandskämpfer und Angehöriger der Zielasko-Gruppe. Karl Delbeck wurde im Juli 1944 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und sollte in München-Stadelheim hingerichtet werden. Karl Delbeck war einer der wenigen Überlebenden der Gelsenkirchener Genossen, er wurde auf einem Todesmarsch befreit. Heidi Delbeck macht es sich heute zur Aufgabe, ein öffentliches Bewusstsein dafür zu schaffen, Stadelheim als eine der zentralen Hinrichtungsstätten des NS-Regimes zu begreifen, und auf die überfällige Notwendigkeit einer angemessenen Fortführung und der Öffnung des Archivs der Justizvollzugsanstalt aufmerksam zu machen.
Mittwoch, 28. März 2012, 19 Uhr
Ostjuden: Bürger, Kleinbürger, Proletarier
Vortrag von Dr. Ludger J. Heid, Duisburg, mit anschließender Diskussion
Ort: Dokumentationsstätte "Gelsenkirchen im Nationalsozialismus", Cranger Straße 323
Seit den 1880er Jahren kamen infolge russischer Pogrome Hunderttausende Juden nach Deutschland, vor allem in die Ballungsgebiete. Während des Ersten Weltkriegs gelangten viele tausend Ostjuden als Rüstungsarbeiter ins Ruhrgebiet. Allein 4.000 arbeiteten als Kumpel unter Tage. In sozialer, politischer, kultureller und religiöser Hinsicht war das Verhältnis zwischen den so genannten Ostjuden und der übrigen Ruhrgebietsgesellschaft schwierig, zum Teil vergiftet. Auch die deutsch-jüdischen Glaubensbrüder verhielten sich gegenüber den ostjüdischen Zuwanderern ablehnend. Im Oktober 1938 wurden Tausende Ostjuden in der ersten Massendeportation des „Dritten Reichs“ des Landes verwiesen: diese so genannte „Polenaktion“ war zugleich die unmittelbare Vorgeschichte des Novemberpogroms, der unter dem Namen „Reichskristallnacht“ unrühmlich in die deutsche Geschichte eingegangen ist. Die Geschichte der Ostjuden in Deutschland im Allgemeinen und im regionalen Raum im Besonderen ist auch eine Leidensgeschichte, über die kein Gras wachsen, die keine historische „Patina“ ansetzen darf. Seit Ende der 1980er Jahre ist durch die Zuwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion in Deutschland ein neues Judentum entstanden: die „neuen“ Ostjuden haben ein neues Kapitel deutsch-jüdischer Geschichte aufgeschlagen.
Mittwoch, 25. April 2012, 19 Uhr
Im Schatten des Gulag – als Deutsche unter Stalin geboren
Filmvorführung und Diskussion mit der Regisseurin Loretta Walz, Düsseldorf
Ort: Dokumentationsstätte "Gelsenkirchen im Nationalsozialismus", Cranger Straße 323
An ihre Kindheit im Schatten des Gulag erinnern sich acht Frauen und Männer, die in der Sowjetunion zur Welt kamen und deren deutsche Eltern während der stalinistischen Säuberungen von ihren Genossen verfolgt oder ermordet wurden. In ihrer zweiten Heimat – der DDR – wurden sie zum Schweigen verurteilt. In dem neuen Film von Loretta Walz wird ein bisher weitgehend unbeachteter Aspekt der jüngsten deutschen Vergangenheit thematisiert.
Mittwoch, 30. Mai 2012, 19 Uhr
Verbrannte Worte – Verbotene Autorin
Vicki Baum (1888 – 1960)
Vortrag von Martina Bracke, Dortmund, mit anschließender Diskussion
Ort: Dokumentationsstätte "Gelsenkirchen im Nationalsozialismus", Cranger Straße 323
„Damals aber … lachten wir über diesen Hitler. Ein Verrückter, sagten wir, ein Hanswurst, ein Idiot; von der Sorte haben wir viele. Produkte des Krieges. Gesundbeter und stigmatisierte Jungfrauen und Propheten, Putschisten und Mörder und wer weiß, was sonst noch alles. Aber ihre Zeit ist vorbei. Nach und nach werden sie ja wohl zu sich kommen und den Mund halten.“ Vicki Baum, Jüdin aus Wien, verließ Europa bereits vor der „Machtergreifung“ und wurde amerikanische Staatsbürgerin. Sie schrieb mit „Menschen im Hotel“ einen beliebten Roman der 20er Jahre, der in einer Inszenierung von Gründgens erstmals auf die Bühne kam und in Hollywood verfilmt wurde. Zu ihrem Werk gehört eine stattliche Anzahl weiterer Romane und Erzählungen sowie ihre Autobiographie. „… ich bin eine erstklassige Schriftstellerin zweiter Güte. Die Glühwürmchenillusionen von Unsterblichkeit sind mir fremd. Ich habe mir nie eingebildet, eine erstklassige Schriftstellerin erster Güte zu sein und dass meine Bücher mich überleben werden. Was diese nebulare Vorstellung von der Unsterblichkeit angeht, so wollen wir doch nur einmal fünfhundert Jahre warten und sehen, wessen Bücher noch gelesen werden.“
Mittwoch, 27. Juni 2012, 19 Uhr
Ist Architektur ein Seismograph der Zeit? Gebäude in Gelsenkirchen
zwischen 1928 und 1943
Vortrag von Dr. Lutz Heidemann, Gelsenkirchen, mit anschließender Diskussion
Ort: Dokumentationsstätte "Gelsenkirchen im Nationalsozialismus", Cranger Straße 323
1928, zum Zeitpunkt guter wirtschaftlicher Verhältnisse, kam es zur Vereinigung von Gelsenkirchen, Buer und Horst. Damals wurden markante Gebäude in unserer Stadt fertiggestellt, z. B. das Hans-Sachs-Haus und das Kaufhaus Sinn, aber auch das Polizeiamt in Buer und das Krankenhaus Bergmannsheil. Spätestens 1943 kam das Bauen zum Erliegen. Welche Kontinuitäten und welche Brüche gab es in dieser Zeit?
Stadtrundfahrten
Freitag, 27. April 2012, 16 - 18 Uhr
Historische Stadtrundfahrt durch Gelsenkirchen zu Orten der NS-Geschichte
Treffpunkt: Dreifaltigkeitskirche, Cranger Straße 327, 45891 Gelsenkirchen. Wir bitten um Anmeldung bis zum 19. April 2012 telefonisch unter 0209 169-8557 oder per E-Mail unter birgit.klein@gelsenkirchen.de. Die Veranstaltung ist kostenfrei.
Freitag, 22. Juni 2012, 16 - 18 Uhr
Historische Stadtrundfahrt durch Gelsenkirchen zu Orten der NS-Geschichte
Treffpunkt: Dreifaltigkeitskirche, Cranger Straße 327, 45891 Gelsenkirchen. Wir bitten um Anmeldung bis zum 14. Juni 2012 telefonisch unter 0209 169-8557 oder per E-Mail unter birgit.klein@gelsenkirchen.de. Die Veranstaltung ist kostenfrei.

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